Interview Impuls-Netzwerk
Der Gründer und CSO der bbi-biotech GmbH Dr. Heiner Sann führte im Sommer 2009 ein Gespräch mit dem Impuls-Netzwerk Sachsen-Anhalt.
Das Interview ist abrufbar unter: www.impuls-netzwerk.de oder hier zu lesen:
»bbi biotech wird sich zu einem Komplettanbieter in der Bioreaktor-Industrie entwickeln.«
Das Impuls-Netzwerk im Gespräch mit Dr. Heiner Sann, Impuls-Teilnehmer und Gründer sowie CSO der bbi-biotech GmbH.
Impuls: Gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner Bernd-Ulrich Wilhelm gründeten Sie im März 2008 das Unternehmen bbi-biotech GmbH in Berlin-Brandenburg und Zweitsitz in Magdeburg. Worin besteht Ihre unternehmerische Gelegenheit und wie kam es zu der Unternehmensgründung?
Sann: Die Firma bbi-biotech GmbH ist in Wildau, Brandenburg, angesiedelt. Historisch bedingt befindet sich unser Applikations-Labor in der Experimentellen Fabrik hier in Magdeburg. Nach meinem Biologie-Studium in Leipzig Anfang der 80er Jahre habe ich erste biotechnologische Erfahrungen in der Industrie gesammelt. Zu der Zeit arbeitete ich vor allem im Applikationslabor, testete Geräteentwicklungen, wie Fermenter und Probenverarbeitungsgeräte und entwickelte neue Ideen. Ich bin sehr technikaffin und so stellte ich schon damals fest, dass meine Stärken weniger in der reinen Biologie liegen, sondern vielmehr in der Geräteentwicklung für biologische Anwendungen. Nach einigen weiteren Stationen F&E, Marketing und Management in verschiedenen Firmen promovierte ich 2000 im Fachbereich physiologische Chemie der Universität Halle. Im Anschluss nahm ich eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der gerade gegründeten Fachgruppe Bioprozeßtechnik, Leiter Professor U. Reichl am Max Planck Institut in Magdeburg an. Meine Aufgabe bestand neben dem Laboraufbau in der Entwicklung von brauchbaren Methoden zur Influenzaviren-Quantifizierung mit Hilfe licht- und elektronenmikroskopischer Methoden (u.a. konfokale Mikroskopie). Nebenbei habe ich mich weiter der Biotechnologie gewidmet und ein erstes vollautomatisches Probeentnahmegerät entwickelt. Zu dieser Zeit haben wir (und wohl sehr viele andere Labore ebenfalls) Probeentnahmen im Labor ausschließlich manuell ausgeführt. Unsere Erfindung kann aber noch mehr: Ein Totvolumen, ein Rest nicht nutzbarer Probemenge der üblicherweise in der Probenleitung verbleibt und verworfen werden muß (und so ein Problem speziell für kleine Reaktoren darstellt) existiert in unserer Lösung nicht. 2004 lernte ich den Leiter F&E von Sartorius-bbi-Systems und meinen heutigen Geschäftspartner Bernd-Ulrich Wilhelm kennen. Über die Zusammenarbeit in Projekten erkannten wir die Gelegenheit für die Gründung eines Biotech-Gerätebau Unternehmens.
Impuls: Ihre Kernkompetenz liegt also in der Fertigung von Geräten zur Probeentnahme. Welche Geschäftsfelder möchten Sie bedienen und wie gestaltet sich Ihr Portfolio?
Sann: Die bbi biotech GmbH versteht sich als innovativer Anbieter exklusiver Technologien im Bereich der Produktion wissenschaftlicher Instrumente. Wir entwickeln und fertigen vollautomatische Instrumente zur Anbindung von Hightech-Analysegeräten an Fermenter und Bioreaktoren. Die Probenahmegeräte bilden die Schnittstelle zwischen der dampfsterilisierbaren (Fermenter, Bioreaktoren) und nicht-dampfsterilisierbaren Biotech-Welt (Analytik). Unterscheiden muss man bei unserem Angebot zwischen Produkt- und Projektgeschäft. Im Rahmen des Produktgeschäfts produzieren und vertreiben wir von uns entwickelte Geräte, wie zum Beispiel das bereits angesprochene Probeentnahmegerät BioProbe MK1. Im Projektgeschäft kombinieren wir nach kundenspezifischen Anforderungen ein Arsenal von verschiedenen Geräten zu einem kompletten Projekt und liefern eine maßgeschneiderte Problemlösung. Ein Beispiel: Oftmals müssen Proben nach der Entnahme zeitnah fixiert (z.B. gekühlt) werden und so gilt es beispielsweise eine Lösung zu finden „wie die Probe von dem Entnahmegerät möglichst schnell in den Kühlschrank gelangt“. So bietet die bbi biotech GmbH neben Probenahmesystemen auch Projektierungsleistungen, Ausführungen und den Service für Fermenter, Bioreaktoren und kompletten Anlagen in der Biotechnologie, Pharmaindustrie, Lebensmittel- und Kosmetikindustrie und der allgemeinen chemischen Verfahrenstechnik. Mittel- bis langfristig wird sich das Unternehmen in einem sich über mehrere Phasen erstreckenden Prozess zu einem Komplettanbieter im Bereich der Bioreaktor-Industrie entwickeln.
Impuls: Ihre Branche gilt im Allgemeinen als ein hart umkämpfter Markt. Wie gestaltet sich der Wettbewerb in den von Ihnen fokussierten Geschäftsfeldern und wie gedenken Sie sich mit Ihrem Angebot auf dem Markt zu positionieren?
Sann: Auch für automatische Probeentnahme existiert ein Wettbewerb. Allerdings gibt es nicht viele Unternehmen, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Ein weiterer Aspekt ist, daß bekannte Geräte oftmals in Preiskategorien von Investitionsgütern fallen. Das bedeutet, dass die Abteilung eines Unternehmens nicht ohne Weiteres entsprechende Geräte anschaffen kann, ohne dies mit höheren Unternehmensebenen abzustimmen. Durch die von uns eingesetzte Technologie kann unser Probeentnahmegerät wesentlich preisgünstiger angeboten werden, weshalb die Anschaffung nicht in den langfristigen Budgetplan einbezogen werden muss. Dies vereinfacht die Anschaffung für Firmen und Institutionen und sollte somit die Nachfrage erhöhen. Aus diesem Grund planen wir nach der Markteinführung Ende diesen Jahres bereits mit guten, aber dennoch moderaten Absatzzahlen. Es gibt genügend Fermenter auf der Welt, die aktuell noch manuell beprobt werden. Erkennen Unternehmen die großen Vorteile der Automatisierung, so ergeben sich weitere potentielle Kunden, die von uns bedient werden könnten. Um darüber hinaus einen möglichst umfassenden Schutz des von uns entwickelten Probeentnahmegeräts zu gewährleisten, unterliegt sowohl das Gerät als auch die damit eng verbundene Wirkungsweise weltweiten Patenten.
Impuls: bbi biotech besteht also bislang aus Ihnen und Ihrem Partner Bernd-Ulrich Wilhelm. Sie beide müssen also sämtliche Funktionen eines Unternehmens abdecken. Wie gestaltet sich die Aufteilung der verschiedenen Aufgabenbereiche des Unternehmens und wo liegen ihre jeweiligen Kernkompetenzen?
Sann: Unsere Kernkompetenzen liegen in unterschiedlichen Bereichen. Bernd-Ulrich Wilhelm bringt die Kompetenz der Businessplanung mit ins Unternehmen. Er verfügt über langjährige Markterfahrungen und bringt dementsprechend wichtige branchenspezifische Kenntnisse in das Unternehmen ein. In der Biotech-Industrie sind persönliche Kontakte sehr wichtig. Diese müssen über lange Zeit aufgebaut und gepflegt werden. Bernd-Ulrich Wilhelm verfügt über diese Kontakte in der ganzen Welt, was uns als junges Unternehmen in eine gute Ausgangslage versetzt. Ich für meinen Teil habe mir, ausgehend von meinem biologischen Ausbildungshintergrund, während meiner beruflichen Stationen das technische Handwerkszeug für die Entwicklung von biotechnologischen Geräten angeeignet. Neben den nötigen Fähigkeiten zur Ideen-Entwicklung und Umsetzung als CAD am Computer bringe ich ebenfalls langjährige Vertriebserfahrung mit, die uns sehr hilfreich sein wird. Nebenbei: bbi-biotech hat bereits 4 Mitarbeiter rekrutiert, die inzwischen einige der notwendigen Felder eines Unternehmens abdecken können.

Das Gespräch führten Olaf Gaus, Fabian Franke und Carl-Jochen Reinhardt